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Autor Leif GW Persson |
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Leif GW Persson ist Professor der Kriminologie, Medienexperte
und einer der führenden Krimiautoren Schwedens. Nach 20 Jahren
Abstinenz vom Schreiben ist der Polizeiprofessor und passionierte Jäger
wieder auf imponierende Weise zurückgekehrt. "Zwischen der
Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters" ist eine
verwickelte Geschichte um den Mord an Schwedens Premier Olof Palme 1986.
Das Verbrechen, das noch immer unaufgeklärt ist, siedelt Leif GW
Persson im Geheimdienstmilieu an und verwebt es geschickt mit dem Tod
des amerikanischen Journalisten John Krassner. Perssons These: Es war
die lebenslange Kungelei mit Geheimdiensten, die Palme schließlich
das Leben kostete: "Als Olof Palme ermordet wurde, war es
ein großes Geheimnis, dass er für die Amerikaner gearbeitet
hat. Er galt als großer Sozialdemokrat und Radikaler. Alle dachten,
er sei russischer Spion und das habe ihm das Leben gekostet. Jetzt wissen
alle, dass genau das Gegenteil das Motiv für seinen Mord war."
Hat das in Schweden niemanden aufgeregt? War der Schock nicht groß,
Palme plötzlich als amerikanischen und nicht - wie immer wieder
lanciert - als russischen Spion enttarnt zu sehen? "Nein, nein",
wiegelt Persson gelassen ab und legt noch eine Prise Schnupftabak nach.
"Die Schweden regen sich nur äußerst selten auf
- was ganz praktisch ist."
Aufgeregter zeigte sich dagegen der schwedische Staat, als Leif GW Persson
Ende der 70er-Jahre die so genannte Geijer-Affäre ins Rollen brachte.
Es kursierten seinerzeit Gerüchte, der schwedische Justizminister
Lennart Geijer unterhalte enge Kontakte zu einigen Prostituierten. Eine
davon sollte zudem gute Verbindungen zu Angehörigen der Botschaft
eines Ostblockstaates haben, was der Angelegenheit zusätzliche
Brisanz verlieh. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde Schwedens
politische Leitung vom Landespolizeichef, in dessen Abteilung Persson
damals arbeitete, informiert. Es gab eine Aktennotiz, die Sache wurde
weiter unter Verschluss gehalten und mehrere polizeiliche Ermittlungen
wurden auf Eis gelegt. Doch eines Tages erschien in der Zeitung "Dagens
Nyheter" ein Artikel dazu und die so genannte Geijer-Affaire war
öffentlich und unleugbar zur Tatsache geworden. Es wurde zur Jagd
auf die Quelle geblasen, die "Dagens Nyheter" informiert hatte.
Schließlich wurde kein geringerer als Leif GW Persson als Quelle
entlarvt. Die Folge: Leif GW Persson wurde aus der Landespolizei-leitung
entlassen. Doch Persson nutzte die berufliche Zwangspause auf seine
Weise und schrieb einen Roman, der die "ganze Geschichte"
erzählte. "Grisfesten" - Das Schweinefest - hieß
dieser Roman, der 1978 erschien, passender Weise und wurde schnell zum
Bestseller. Es folgten zwei weitere Bücher, "Profitörerna"
(Die Profiteure) und "Samhällsbärarna" (Die Stützen
der Gesellschaft). Diese Romane zählen noch heute zu den meistverkauften
Büchern Schwedens überhaupt, und Leif GW Persson zeigt sich
überzeugt, dass diese Romane und sein neuester Geniestreich "Zwischen
der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters" noch
seine Urenkel finanziell versorgen können.
1980 dann wurde Leif GW Persson wieder in Gnaden in
den Staatsdienst aufgenommen und arbeitete von 1980 bis 1991 im Justizministerium.
So hatte Leif GW Persson als Insider von Anfang an Einblicke in die
Ermittlungen zum Mordfall Olof Palme. "Zwischen der Sehnsucht des
Sommers und der Kälte des Winters" bezieht seinen Reiz nicht
zuletzt aus der Frage heraus, was wahr ist und was Fiktion. "Es
gilt, Glaubwürdigkeit herzustellen. So hätte es sein können.
Dann werden die Geschichten doch erst richtig spannend",
erklärt der 60-Jährige zwischen zwei Schluck Rotwein, und
ihm selbst sind das die liebsten Geschichten, wo man nicht genau weiß,
was wahr ist und was Fiktion.
Aus einer Verschmelzung von Fiktion und Wirklichkeit scheint auch Leif
GW Perssons Kriminaldirektor Lars Martin Johansson entstanden zu sein.
Wie sein Autor ist auch Johansson leidenschaftlicher Jäger, der
sich im großen Kreise seiner Familie (Eltern, Geschwister, Nichten
und Neffen) ebenso wohl fühlt, wie alleine zuhause bei Musik und
gutem Essen. Mit seinen beiden Kindern hat er den typischen Scheidungsvater-Kontakt
sowie ein relativ gutes Verhältnis zur wiederverheirateten Ex-Ehefrau.
Johansson ist ein Genießer, der die Frauen liebt und dessen Avancen
beim schönen Geschlecht gut ankommen.
Persson selbst ist zum dritten Mal mit Kim, einer Betriebswirtin, verheiratet.
Zusammen haben sie sechs Kinder und drei Enkelkinder. Gutes Essen und
gute Gesellschaft liebt Romanautor Persson ebenso wie sein Alter Ego
Johansson. "Haben Sie einen guten, deutschen Spätburgunder?"
fragt er den Kellner und, als dieser verneint, hoffnungsvoll nachsetzend
"einen etwas weniger guten österreichischen?"
Schließlich wird es ein "guter, italienischer Chianti",
den Persson während des Gesprächs genießt - Persson,
der Kochbuch-Autor für Männer mit der Vorliebe für deftiges
Essen und starke Drinks. Doch "das Problem ist, dass man
nicht sehr lange lebt, wenn man sich ausschließlich so ernährt."
Daher hat Persson seinen Lebensstil, bevor er anfing, "Zwischen
der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters" zu schreiben,
radikal geändert. Da hatte er 40 kg abgenommen, lief jeden Tag
fünf bis sechs Kilometer, aß viel Fisch (Sushi) und reduzierte
seinen Alkoholkonsum.
Soweit zu den äußeren Veränderungen. Über die inneren
Metamorphosen hat Persson 2003 ein Buch geschrieben: "En annan
tid, ett annat liv" (Eine andere Zeit, ein anderes Leben). Darin
geht es um die Besetzung der westdeutschen Botschaft in Stockholm 1975
und darum, "dass man eine radikalere Position bezieht, wenn man
jung ist - euer Außenminister Joschka Fischer ist das beste Beispiel
dafür", lächelt Professor Persson vielsagend und schiebt
zum wohl hundertsten Mal seine Brille von der Nase in die Stirn und
wieder zurück. Über sich selbst sagt Persson: "Was
meinen Lebensstil angeht, da unterscheide ich mich wohl nicht sehr von
einem Industriemanager - Aber ich bin immer noch Sozi."
*
Autorin:
Alexandra Hagenguth/ KONTEXTE - Wissensportal für Text, PR, skandinavische Sprachen und Literaturen
© März 2005 - Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur
Skandinavien
* Quelle: Gunnar
Wesslén |