Der Schaffensprozess war für mich immer
mit Freude und Entspannung verbunden. Meine Eltern, die sich auf der Kunsthochschule
kennen lernten, ermunterten mich und meine Schwester, unsere Talente zu
entwickeln. Das ist etwas, das ich auch bei meinen eigenen Kindern versucht
habe, zu tun. Mein jüngster Sohn James studiert Kunst und hat u.a.
das Cover für mein Buch gestaltet. Ein einjähriger Aufenthalt
in einer Haushaltsschule auf Öland und an der Schneiderakademie in
Stockholm gaben mir einen tieferen Einblick in ein paar von meinen anderen
Interessen, Kochen und Nähen. Das Fotografieren habe ich teilweise
von meinem Großvater gelernt, der Fotograf in Mörbylånga
war, teils auf einer Berufsfachschule in Gamleby. Das war eine Ausbildung,
von der ich sehr profitiert habe, als ich jünger war und abenteuerliche
Jahre erlebte, als ich die ganze Welt bereiste, immer auf der Jagd nach
Lebenserfahrung und Reife bevor ich die Ruhe fand, mit meinem Jura-Studium
anzufangen.
Die Lust zu schreiben, war immer schon da. Aber aufgrund einer leichten
Dyslexie habe ich erst jetzt Zeit gefunden, dieses Interesse weiter zu
entwickeln. Nicht buchstabieren zu können ist hinderlich, wenn man
will, dass andere das lesen, was man geschrieben hat. Glücklicherweise
habe ich nie Probleme mit dem Leseverständnis gehabt!
Die Freude, die ich empfand, als Camilla Nagler von Wahlström &
Widstrand anrief und erzählte, dass mein Buch angenommen sei und
veröffentlicht würde, kann nur noch mit der Freude verglichen
werden, als die Hebamme sagte: Es ist ein Junge! Oder möglicherweise
mit der Freude, die ich empfand, als ich den Brief der Schwedischen Advokatengesellschaft
mit der Benachrichtigung, dass ich als Mitglied aufgenommen sei, öffnete.
Glückliche Ereignisse, die mein Leben bereichert und mir geholfen
haben, ihm eine positive und zielstrebige Richtung zu geben. Das Wissen,
dass mans kann und geeignet ist, ist wichtig. Einer der diesjährigen
Debütanten zu sein, ist eine große Ehre.
Die Idee, einen Krimi mit einer Rechtsanwältin als Hauptperson zu
schreiben, kam mir plötzlich eines regnerischen Nachmittags als ich
vor dem EU-Parlament in Brüssel, wo ich seit 1993 wohne, in einem
Stau steckte. Weil die juristische Welt nicht gerade viel Platz lässt
für Fantasie und verbale Ausschweifungen dachte ich mir, dass das
Schreiben dem Leben vielleicht eine neue Dimension geben könnte.
Wenn ich richtig ehrlich sein soll, hatte es wohl auch etwas damit zu
tun, dass meine beiden Jungs erst kürzlich von zu Hause ausgezogen
waren. Die Intrige hatte ich fertig gesponnen noch bevor ich zu Hause
war.
Ein wohlhabender Antiquitätenhändler wird in seiner Wohnung
brutal ermordet. Die Rechtsanwältin Ulrika Stål erhält
den Auftrag, den des Mordes verdächtigen Daniel zu verteidigen
einen Jungen mit trauriger Vergangenheit. Als er gerade erst 13 Jahre
alt war, wollte ihn das Sozialamt zwangsweise in ein Heim bringen, was
Ulrika gerade noch verhindern konnte.
Ich habe selbst viel im Sozialrecht gearbeitet und bin immer wieder stark
berührt worden von den verschiedenen Menschenschicksalen, die ich
im Laufe der Jahre vertreten habe. Daniel entspricht nicht direkt einem
meiner früheren Klienten, auch wenn er sie alle auf einmal sein könnte.
Eigen und ein wenig verirrt. Negativ geprägt von seiner Umwelt und
den Umständen geht er seine eigenen Wege, ohne an die Eltern zu denken.
Als Anwalt fühlt man sich oft unzulänglich. Die Zeit reicht
selten für ein tieferes Engagement. Dafür war es sehr befreiend,
Ulrika Stål die Zeit zu geben, die ich nicht hatte.
Autorin:
Alexandra Hagenguth/ KONTEXTE - Wissensportal für Text, PR, skandinavische Sprachen und Literaturen
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